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WM-Gold für Tübinger Wohngemeinschaft


ARTIKEL VOM 08. SEPTEMBER 2011

WM-Gold für Tübinger Wohngemeinschaft

Die süddeutschen Leichtathleten sind bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu leer ausgegangen. Allerdings brachten zwei Exil-Kenianer Medaillen ins Schwabenland.
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Eine Leichtathletik-Goldmedaille aus Daegu im Schwabenland: 800-Meter-Weltmeister David Rudisha (rechts) mit Bernard Lagat in Tübingen. Foto: Anne Faden
Eine Leichtathletik-Goldmedaille aus Daegu im Schwabenland: 800-Meter-Weltmeister David Rudisha (rechts) mit Bernard Lagat in Tübingen. Foto: Anne Faden




Tübingen - David Rudisha strahlt. Es ist eine Mischung aus Freude über die Anerkennung für seine Leistung - und Schüchternheit. Er spricht leise. In den Händen hält er ein rotes Säckchen. Hier ist sie drin, die Goldmedaille. Es war ein ungefährdeter Start-Ziel-Sieg, mit dem der 22-Jährige mit seinen langen Schritten über die 800-Meter-Distanz in 1:43,91 Minuten zu seinem ersten WM-Gold lief. "Ich bin sehr glücklich. Das war immer mein Traum", sagt der Kenianer in Tübingen.

Eine gute Woche nach seinem Triumph ist er zurück am Neckar. Hier wohnt und trainiert der 800-Meter-Weltrekordler (1:41,01 Minuten) im Sommer. Und hier holte er sich die Form für Daegu. "Das Haupttraining habe ich hier absolviert", sagt Rudisha. Im Frühjahr litt er unter einer Sehnenreizung am Sprunggelenk. Deshalb riet Manager James Templeton seinem Schützling Rudisha, schon Ende Mai nach Tübingen zu fliegen. Hier bekam er bei Physiotherapeut Thilo Nowak die Behandlung, die Gold ermöglichte. "Das war eine fantastische Grundlage", sagt Templeton.

Seit 1998 schickt der Australier seine kenianischen Spitzenläufer im Sommer ins Neckartal. Von hier aus reisen die Sportler zu den Wettkämpfen in Europa, Tübingen ist das Basislager. Anfangs mietete Templeton das Haus in der Mallestraße noch, mittlerweile hat er es gekauft. Jeden Sommer wohnen bis zu acht Athleten in der Wohngemeinschaft über vier Etagen.

Den Tipp mit Tübingen bekam Templeton von einem Mitarbeiter eines Sportartikel-Herstellers. Zunächst hatte er es nämlich mit seiner Läufer-Combo in London versucht. Doch dort waren die Bedingungen schlecht. In Tübingen gefällt es ihm da doch besser: Der nahe Naturpark Schönbuch bietet gute Trainings-Bedingungen, der Flughafen in Stuttgart ist nicht weit. Und die Läufer sind glücklich. "Es fühlt sich für die Jungs an wie zu Hause zu sein", sagt Templeton: "Sie leben zusammen wie eine Familie." Auch in der lokalen Laufszene zeigen sie sich: Unter der Woche trainierte Rudisha mit Olympiasieger Dieter Baumann und rund 100 Freizeit-Sportlern im Schönbuch.

Einer der ersten, der in Tübingen durch die Wälder rannte war Bernard Lagat. Nach dem Doppelweltmeister von 2007 haben sie in der Läufer-WG mittlerweile sogar ein Waldstück benannt, erzählt Rudisha: "Lagats Forest". Bei der WM in Daegu holte Lagat jüngst Silber über 5000 Meter. Wäre er nicht gerempelt worden, hätte es auch Gold sein können. Lagat, der mittlerweile für die USA startet, fühlte sich so wohl in Tübingen, dass er aus der Läufer-WG ausgezogen ist und mit seiner Familie ein Haus gekauft hat.

Beim Meeting im italienischen Rieti am Wochenende sind beide am Start. Vor einem Jahr verbesserte Rudisha dort seinen eigenen Weltrekord. Ist das wieder möglich? "Vielleicht läuft es ja ganz gut", sagt Rudisha und strahlt vielsagend.
Redaktion: VINCENT MEISSNER

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